Zwei Jubiläen in der beeindruckenden Scheune
Kritk von Karl Glaser
Anlässlich des 70-jährigen Bestandes der Musikfreunde Braunau-Simbach erging durch Obfrau Susanne Nemmer die Einladung zu einer Sonntags-Matinee in die Scheune des Schlosses Ranshofen. Dieser Raum ist wohl außer den Kirchen akustisch einer der geeignetsten in Braunau, um ein derart schönes Jubiläum mit dem Publikum zu feiern. In diesem luftigen, geräumigen Schuppen mit interessantem Dachgebälk dirigierte in gewohnt eleganter Weise Markus Fohr das in unserer Gegend und weit darüber hinaus bekannte Orchester. Die Matinee wurde instrumental wieder ausgezeichnet vorbereitet von Isabella Andronikidis, die mit viel Engagement die Proben des Orchesters leitet.
Den Anfang machte die 1817 von Franz Schubert komponierte „Ouvertüre im italienischen Stil“, die in vielen Motiven an Gioachino Rossini erinnert, waren doch damals in Wien Rossini-Opern äußerst populär, was sogar zu einem grassierenden „Rossini-Boom“ führte. Pfiffig heiter wurde von den tiefen Streichern mit sauber gespielten Staccati und weichen Klängen der Hörner die Melodie der Querflöte begleitet.
Den Programmhöhepunkt nahm die Aufführung des Mozart-„Konzertes in C für Flöte und Harfe“ mit drei Sätzen ein. Als Mozart während einer Konzertreise durch Europa auf der Suche nach einer Kapellmeisterstelle dieses Werk in Frankreich komponierte, war die Harfe ein Modeinstrument der französischen Gesellschaft. Die französische Flötentradition ist heute noch weltberühmt für ihren hellen, emotionalen Ton und das ausdrucksstarke Vibrato, was dieses Werk maßgeblich prägte. Die gebürtige Tirolerin Barbara Chemelli (Querflöte) und die in Linz geborene Katharina Teufel-Lieli (Harfe) begeisterten mit großer Präzision, eleganten Phrasierungen, kultiviertem Ton und dynamischem Spiel das zahlreich erschienene Publikum. Dirigent Markus Fohr ließ den beiden Solistinnen bei flott spritzigen Tempi im Orchester die Bühne bereiten. Ganz besonders zeugten das tänzelnd komponierte Rondo die großartige, dosierte Atemtechnik der Flötistin und die graziöse Technik aus den Fingerkuppen der Harfenistin vom bravourösen Können der beiden Solistinnen.
Im dritten Teil der Matinee wurde die charmante, federleicht klingende Orchestersuite von Gabriel Fauré „Masques et Bergamasques“ mit feinem Stilgefühl zwischen Grazie und tänzerischer Leichtigkeit pointiert, rhythmisch präzise und mit sattem Streicherklang aufgeführt. Im Jahr 1919 erhielt Fauré den Auftrag, eine musikalische Unterhaltung für das Theater zu schreiben. Und aus dieser achtteiligen Bühnenmusik arrangierte er selbst die schönsten Teile zu vier kontrastreichen Sätzen voller Eleganz und feiner Melancholie, die klanglich an die galanten Feste des Rokokos erinnern.
Ehe die Matinee mit der vierten und letzten Komposition beendet wurde, erzählte Markus Fohr, wie es 1991 dazu kam, dass er als künftiger Dirigent der Musikfreunde engagiert wurde. Und seit dieser Zeit ist Susanne Nemmer Obfrau des Orchesters und arrangiert zusammen mit Ihrem Gatten Volker Jahr für Jahr die Aufführungen. 35 Jahre, ein beachtenswertes Jubiläum, die Hälfte des Orchesterbestandes, leitet sie mit viel Gespür und bezauberndem Charme den Verein.
Den Abschluss der Matinee bildete ein flotter Allegretto-Satz - der erste Satz aus dem Werk „Palladio“ von Karl Jenkins, benannt nach dem venezianischen Renaissance-Architekten Andrea Palladio. Der britische Keyboarder, Oboist, Saxophonist und Komponist schuf mit diesem Concerto grosso in drei Sätzen für Streichorchester, das 1996 veröffentlicht wurde, einen edlen Diamanten für die Musik-Ewigkeit. Die erkennbare Spielfreude der Musikerinnen und Musiker sprang aufs Publikum über und machte das Jubiläum zu einem musikalischen Höhepunkt der Saison. Ein fantastisches Konzert, das berechtigt viel Applaus für die Aufführung bekam.
Erschienen am 07.06.26 in: https://www.meinbezirk.at/braunau/c-regionauten-community/zwei-jubilaeen-in-der-beeindruckenden-scheune_a8678892