Silvesterkonzert in Braunau
Habt euch lieb!
Und wieder war es ein kultureller Höhepunkt in der Stadt Braunau. Das Programm des 42. Silvesterkonzertes der Musikfreunde Braunau-Simbach im Veranstaltungszentrum spannte vor der Pause einen Bogen über bekannte Werke, vom schwungvollen „Erzherzog Albrecht-Marsch“ des Tschechen Karel Komzák bis zum ursprünglichen Klavier-Rondo von Carl Maria von Weber „Aufforderung zum Tanz“, welches der Franzose Hector Berlioz für Orchester 1841 arrangierte. Dazwischen begeisterte mit großem Elan und sichtbarer Freude als Violinsolistin Isabella Andronikidis, die auch die Musikfreunde maßgeblich auf dieses Konzert vorbereitet hatte. Weich und schmeichelhaft, dann wieder mit sattem Klang und energischer Präsenz beherrschte sie die Violine in „Liebesfreud“ und „Liebesleid“ aus dem Zyklus „Alt-Wiener Tanzweisen“ vom in Wien geborenen austroamerikanischen Komponisten Fritz Kreisler. Da im Silvesterkonzert für das Publikum auch ein Werk der Strauß-Familie nicht fehlen soll, fand sich im Programm die „Jockey-Polka“ von Josef Strauß, eine seiner letzten Kompositionen, voll von Freude, rhythmischer Energie und musikalischen Momenten großer Zuversicht. Der gesangliche Teil mit der bereits sehr bekannten aus Lengau gebürtigen Sopranistin Eva Maria Schinwald begann mit dem Weltschlager „Liebe, du Himmel auf Erden“ aus Franz Lehárs Operette „Paganini“. Mit ausdruckstarker Mimik und natürlicher Selbstverständlichkeit unterstrich sie den Text. „Gern hab´ ich die Frau´n geküsst“, auch aus „Paganini“, meinte der Tenor Bernhard Berchtold, wobei der Text dieses Liedes rückständig ist, wenn es heißt: „Hab′ nie gefragt, ob es gestattet ist; dachte mir: nimm sie dir, küss sie nur, dazu sind sie ja hier!“
Der zweite Programmteil begann mit der Uraufführung des „Inn4tler Walzers“ vom im Publikum anwesenden gebürtigen Mininger Komponisten Gabriel Romberger, einer gelungenen romantischen Auseinandersetzung mit der aus Wien stammenden Musiktradition der Strauß-Zeit. Und bevor das Orchester das offizielle Programm mit dem Konzertwalzer „Rosen aus dem Süden“ von Johann Strauß (Sohn) zum Besten gab, enthielt heuer erstmals das Silvesterkonzert auch einen modernen Touch mit „Another Day of Sun“, einer sehr schwungvollen Filmmusik vom Franco-Kanadier Justin Hurwitz. Diese musikalische Hinwendung zu einem jüngeren Publikum war ein durchaus mutiger Versuch, wenn auch diese Zuhörerinnen kaum anwesend waren. Beim „Danse Diabolique“, einem ungewöhnlich aufregenden Walzer des Wieners Joseph Hellmesberger, war der seit 1992 mit den „Musikfreunden“ eng verbundene Dirigent Markus Fohr wegen der nachlassenden Konzentration ein bisschen gefordert. Davor aber entzückte Eva Maria Schinwald mit der Sopranarie „Ich hätt´ getanzt heut´ Nacht“ aus dem berühmten Musical „My Fair Lady“. Das Tenor-Lied des Tony „Maria“, ebenfalls aus dem Broadway-Musical „West Side Story“ von Leonard Bernstein, führte über zum weltberühmten Liebes-Duett „Tonight“ mit Tony, der im Musical Maria besucht. Gefühlvoll und nuancenreich bezauberte das Paar das Publikum.
Der Zugabenteil begann mit dem Abstecher zur Operette „Die Csárdásfürstin“ und der Aufforderung für das neue Jahr: „Habt euch lieb!“, ehe traditionell der weltweit bekannte Walzer „An der schönen blauen Donau“ von Johann Strauß (Sohn) und schließlich der flott eingeschlagene „Radetzky-Marsch“ von Johann Strauß (Vater) folgten.
Die von vielen Firmen, Banken und der Stadtgemeinde Braunau am Inn finanziell unterstützte, und von der „Musikfreunde“-Obfrau Susanne Nemmer mit großem Engagement vorbereitete Bühnenpräsenz ist ein Zeichen des Dankes und auch der Zuversicht. Möge beim 43. Silvesterkonzert 2026 wieder ein zahlreiches Publikum erfreut werden!
Kritik von Karl Glaser